Die sichere Funktion des Stromsystems beruht auf der Einhaltung zentraler physikalischer und betrieblicher Parameter sowie auf der kontinuierlichen Bereitstellung von Systemdienstleistungen.
Das Stromnetz ist ein synchron gekoppeltes System, in dem Erzeugung, Transport und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Abweichungen können sich systemweit ausbreiten und die Stabilität gefährden.
Am besten kann die Netzstabilität bzw. Gleichgewichtsbedingung im Stromsystem durch einen 'Stromsee' visualisiert werden. Erzeuger speisen in den gedachten 'See' ein, Verbraucher entnehmen daraus. Ziel ist es, den Füllstand ständig am selben Niveau zu halten.

Die Netzstabilität wird im Wesentlichen durch folgende Größen bestimmt:
Diese Parameter müssen innerhalb definierter Grenzen gehalten werden.
Die Frequenz ist ein unmittelbarer Indikator für das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch.

Die Frequenz ist damit die zentrale Steuergröße für die Systembalance.
Die Spannung beschreibt das elektrische Potenzial im Netz und muss lokal stabil gehalten werden.
Mit zunehmender Dezentralisierung wird die Spannungshaltung komplexer, da lokale Einspeisung und Last stärker variieren.
Blindleistung ist notwendig für den Aufbau und die Stabilisierung von Spannungen im Wechselstromnetz.
Leitungen und Transformatoren dürfen nur bis zu ihrer maximalen Belastbarkeit betrieben werden.
Das Netz muss Fehler erkennen und lokal begrenzen können.
Das Netz muss auch beim Ausfall eines einzelnen Betriebsmittels stabil bleiben.
Systemdienstleistungen sind alle Leistungen, die notwendig sind, um den sicheren und stabilen Betrieb des Stromsystems zu gewährleisten.
Sie stellen die operative Umsetzung der oben beschriebenen Stabilitätsanforderungen dar.
Diese Leistungen werden kontinuierlich erbracht und koordiniert.
Die Frequenzregelung stellt sicher, dass Erzeugung und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht sind.
Sie erfolgt in mehreren Stufen:
Diese Mechanismen bilden gemeinsam das System der Regelenergie. Visualisiert kann der Einsatz von Regelenergie durch folgende Abbildung. In einer gewissen Reihenfolge und mit gewissem zeitlichen Versatz werden die verschiedenen Arten von Regelenergie abgerufen. Nach einer Frequenzabweichung (verursacht durch ein Ungleichgewicht von Erzeugung und Verbrauch) kommt es zum Abruf von Primär, Sekundär und Tertiärregelenergie.

Die Spannung wird durch Netzstruktur und Lastfluss, Umschaltung von Transformatorstufen sowie die Steuerung von Blindleistung stabilisiert.
Wenn Netzkapazitäten nicht ausreichen, müssen Maßnahmen gesetzt werden:
Ziel ist die Vermeidung von Überlastungen.
Nach einem großflächigen Netzausfall muss das System wieder aufgebaut werden können.
Die Verantwortung für Netzstabilität und Systemdienstleistungen ist zwischen verschiedenen Akteuren aufgeteilt.
Der TSO trägt die gesamt-systemische Verantwortung.
Zentrale Aufgaben:
In Österreich übernimmt diese Rolle die Austrian Power Grid (APG).
Die DSOs sind für den sicheren Betrieb der Verteilnetze verantwortlich.
Zentrale Aufgaben:
Mit der Energiewende steigt ihre Bedeutung deutlich.
Auch angeschlossene Akteure tragen Verantwortung:
Mit der Transformation des Energiesystems verändern sich die Mechanismen der Netzstabilität:
Systemdienstleistungen werden zunehmend von:
erbracht.
Netzstabilität entsteht durch das Zusammenspiel physikalischer Parameter und operativer Maßnahmen.
Die Verantwortung ist dabei zwischen zentralen und dezentralen Akteuren verteilt und verschiebt sich im Zuge der Energiewende zunehmend in Richtung verteilter Systeme.